Wann sich die Frage stellt
Jedes Schwimmbecken verliert Wasser – durch Verdunstung ist das völlig normal. Schwierig wird es, wenn der Wasserstand schneller sinkt, als es das Wetter erklären könnte: dann steht der Verdacht einer Leckage im Raum, sei es in der Beckenschale, an den Fugen und Anschlüssen oder in der Rohrleitungs- und Filtertechnik. Bevor eine aufwendige technische Leckortung beauftragt wird, lohnt sich ein einfacher erster Schritt.
Das Grundprinzip: ein Eimer als neutraler Vergleich
Jede offene Wasserfläche verdunstet in vergleichbarem Maß, sofern sie denselben Witterungsbedingungen ausgesetzt ist – Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Wind, Sonneneinstrahlung. Stellt man neben dem Becken einen mit Beckenwasser gefüllten Eimer auf, verliert dieser Eimer ausschließlich durch Verdunstung Wasser, da er keine undichten Stellen hat. Sinkt der Wasserstand im Becken im selben Zeitraum deutlich stärker als im Eimer, ist dieser zusätzliche Verlust nicht durch Verdunstung erklärbar – ein Hinweis auf eine Leckage. Sinken beide Wasserstände um denselben Betrag, ist der Wasserverlust plausibel allein durch Verdunstung erklärt.
Was Sie für den Test brauchen
Der Test kommt mit einfachen Hilfsmitteln aus: ein sauberer, dichter Kunststoff-Eimer mit etwa 10 bis 15 Litern Fassungsvermögen und möglichst geraden Seiten, ein wasserfester Stift oder wasserfestes Klebeband zur Markierung, ein Maßstab mit Millimetereinteilung zur Nachmessung, eine Uhr zur Zeiterfassung, ein Protokollformular sowie eine Kamera zur fotografischen Dokumentation der Markierungen. Ein Thermometer zur Erfassung von Wasser- und Lufttemperatur ist hilfreich, aber nicht zwingend erforderlich.
Worauf es ankommt, damit das Ergebnis belastbar ist
Eine automatische Wassernachspeisung muss für die gesamte Testdauer ausgeschaltet und kontrolliert werden – sonst wird ein realer Wasserverlust durch Nachlaufen kaschiert. Das Becken darf während des Tests nicht genutzt, nicht manuell befüllt oder abgelassen werden, es darf keine Filterrückspülung erfolgen, und Wasserattraktionen wie Wasserfälle, Gegenstromanlagen, Massagedüsen oder Springbrunnen bleiben ausgeschaltet. Das Becken muss während des gesamten Tests offen und unabgedeckt bleiben – war es zeitweise mit einer Poolplane abgedeckt, ist der Test zu wiederholen. Der Test sollte bei stabiler Witterung stattfinden; Regen, Gewitter oder böiger Wind machen eine Wiederholung nötig. Der Eimer muss fest, waagerecht und gegen Verrutschen gesichert auf einer Beckenstufe stehen, ohne zu schwimmen oder zu kippen: sein oberer Rand bleibt dabei deutlich oberhalb des Poolwasserspiegels, damit kein Poolwasser eindringen kann, während ein großer Teil des Eimers unterhalb der Wasserlinie steht, damit sich die Temperaturen von Becken- und Eimerwasser angleichen.
Durchführung: zwei Testdurchgänge
Der Test wird grundsätzlich zweimal durchgeführt – einmal im normalen Betrieb der Umwälz- und Filteranlage und einmal bei vollständig ausgeschalteter Anlage. Das liefert nicht nur die Antwort „Verdunstung oder Leck", sondern auch einen ersten Hinweis darauf, ob eine mögliche Leckage eher unabhängig vom Pumpenbetrieb auftritt (Beckenschale, Fugen, Skimmer) oder erst unter Betriebsdruck (Rohrleitungen, Ventile, Filteranlage).
Durchgang 1 (Normalbetrieb): Umwälzpumpe und Filteranlage laufen im gewohnten Zyklus, Wasserattraktionen bleiben ausgeschaltet. Eimer und Becken werden wie beschrieben markiert, die Testdauer beträgt 24 Stunden. Fällt hier bereits eine deutlich stärkere Absenkung des Poolwasserspiegels gegenüber dem Eimer auf, besteht der Verdacht auf einen zusätzlichen Wasserverlust.
Durchgang 2 (Anlage ausgeschaltet): Mit einem frisch befüllten, neu markierten Eimer (nicht demselben aus Durchgang 1, um Verwechslungen zu vermeiden) bleiben Umwälzpumpe und Filteranlage für weitere 24 Stunden vollständig ausgeschaltet, unter möglichst vergleichbaren Witterungsbedingungen. Tritt der zusätzliche Verlust in beiden Durchgängen ähnlich stark auf, deutet das eher auf die Beckenschale, Fugen oder Skimmer hin; ist er bei laufender Anlage deutlich größer, eher auf die druckseitige Rohrleitungs- und Filtertechnik.
Wie Sie das Ergebnis lesen
Entscheidend ist immer der direkte Vergleich der Absenkung von Becken und Eimer in Millimetern, nicht ein allgemeiner Erfahrungswert. Eine Differenz von etwa 1 bis 2 Millimetern liegt meist im Bereich der Mess- und Markierungsgenauigkeit – bedingt etwa durch Wellenbewegung, Ableseperspektive oder kleinste Lageabweichungen des Eimers – und ist keine feste technische Grenze, sondern eine praktische Toleranz.
Sind die Absenkungen von Becken und Eimer ungefähr gleich, ist der Wasserverlust plausibel allein durch Verdunstung erklärt. Verliert das Becken in beiden Durchgängen deutlich mehr als der Eimer, spricht das für eine Leckage, die unabhängig vom Pumpenbetrieb auftritt – etwa an der Beckenschale, den Fugen, Skimmern oder Düsendichtungen. Fällt der zusätzliche Verlust bei laufender Anlage deutlich größer aus als bei ausgeschalteter Anlage, deutet das auf die druckseitige Leitungstechnik, Ventile oder die Filteranlage hin. Der umgekehrte Fall – größerer Verlust bei ausgeschalteter Pumpe – lässt keine ebenso sichere Zuordnung zu und wird üblicherweise durch weitere, abschnittsweise Druckprüfungen der Leitungen abgeklärt.
Die Grenzen des Verfahrens
Der Eimertest ist eine vergleichende Plausibilitätsprüfung. Er kann einen Hinweis darauf geben, dass das Becken mehr Wasser verliert, als durch die gleichzeitig gemessene Verdunstung erklärbar ist – er bestimmt jedoch nicht die genaue Leckstelle und ersetzt keine fachtechnische Leckortung wie Drucktests einzelner Leitungsabschnitte, Farbstoffprüfungen an Fugen und Einbauteilen oder elektronische bzw. akustische Leckortung. Bestätigt der Test einen zusätzlichen Wasserverlust, ist im nächsten Schritt eine gezielte Untersuchung durch ein spezialisiertes Fachunternehmen sinnvoll.